Schimmel im Haus und eine zu hohe Luftfeuchtigkeit gehören zusammen. Über einer relativen Luftfeuchtigkeit von 60 % bekommt Schimmel langsam Raum, über 80 % geht es schnell. In diesem Artikel lesen Sie, was Schimmel genau ist, wie er entsteht, wo Sie ihn finden und was er mit Ihrer Gesundheit macht. Wir stützen uns auf den ausführlichen Bericht des niederländischen RIVM zu Schimmel- und Feuchtigkeitsproblemen in Wohnungen.
Kurz gefasst
- Schimmel wächst erst richtig durch bei einer relativen Luftfeuchtigkeit über 80 %; die Ursache ist fast immer Feuchtigkeit.
- Die meisten Hausschimmelarten wachsen zwischen 15 und 30 °C auf organischem Material wie Holz, Gips und Tapete.
- Keller, Badezimmer und kalte Außenwände sind die bekanntesten Stellen.
- Schwarzer Schimmel kann Atemwegsbeschwerden verschlimmern; beseitigen Sie die Feuchtigkeitsquelle und entfernen Sie den Schimmel.
- Welche Schimmelart es ist, müssen Sie laut RIVM meist nicht testen lassen: Das Vorgehen ist immer gleich.
RIVM-Bericht 609300022
Schimmel- und Feuchtigkeitsprobleme in Wohnungen, die maßgebliche niederländische Quelle.
Was ist Schimmel genau?
Schimmelpilze bilden ein eigenes biologisches Reich, getrennt von Pflanzen und Tieren. Molekulare Untersuchungen zeigen sogar, dass sie enger mit Tieren verwandt sind als mit Pflanzen. Sie finden sie überall: im Boden, auf Pflanzen, im Meer und sogar in Wüsten und Polargebieten.
Im Haus begegnen Ihnen vor allem Aspergillus, Penicillium, Cladosporium und Stachybotrys. Bei ausreichend Feuchtigkeit und Nahrung wachsen manche Arten innerhalb weniger Tage zu sichtbaren Kolonien heran.
Wie vermehrt sich Schimmel?
Ein Schimmelpilz besteht aus dünnen Fäden, den Hyphen, die zusammen ein Netzwerk bilden: das Myzel. Dieses Netzwerk bildet Sporen, die durch die Luft schweben. Sporen sind so klein, dass Sie sie einatmen oder dass sie unbemerkt auf Oberflächen niedersinken.
Sind die Bedingungen günstig, keimen diese Sporen und eine neue Kolonie beginnt. Nach einem Leck geht das manchmal rasend schnell. Innerhalb weniger Tage sehen Sie bereits Wachstum, es kann aber auch Wochen dauern. Es hängt von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Material ab.
Wann wächst Schimmel?
Schimmel braucht fünf Dinge zum Wachsen. Fällt eines weg, stoppt das Wachstum. Feuchtigkeit ist mit Abstand das wichtigste und das einzige, das Sie im Haus wirklich in der Hand haben.
| Bedingung | Was Schimmel braucht |
|---|---|
| Feuchtigkeit | Relative Luftfeuchtigkeit von mindestens 80 %, über 90 % geht es schnell |
| Temperatur | Zwischen 15 und 30 °C; im Kühlschrank wachsen manche Arten langsam weiter |
| Säuregrad (pH-Wert) | Ein pH-Wert zwischen 4 und 9 |
| Nährboden | Organisches Material: Holz, Karton, Gips, Tapete, Farbe und Hausstaub |
| Wenig Konkurrenz | Auf trockenen oder schwer abbaubaren Materialien wie Holz setzt sich Schimmel gegen Bakterien durch |
Gesunde Grenze
Halten Sie die relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 %. Darunter bleibt die Luft zu trocken, darüber haben Schimmel und Hausstaubmilben freies Spiel. Wie Sie das messen, lesen Sie in Gesunde Luftfeuchtigkeit im Haus messen.
Wo im Haus finden Sie Schimmel?
Schimmel sitzt auf Materialien mit Zellulose oder anderen organischen Stoffen: Tapete, Kleber, Holz, Gipsplatten und Putzschichten. Glattes Material wie Fliesen ist weniger anfällig, aber auf einer Schicht Schmutz oder Staub wächst trotzdem Schimmel. Gerade nach einem Wasserschaden ist schnelles Handeln wichtig. Die bekanntesten Problemstellen sind der Keller und das Badezimmer.
- Keller und Kriechkeller
- Badezimmer mit schlechter Belüftung
- Hinter Möbeln an einer kalten Außenwand
- Rund um Fenster und Fensterrahmen
- Unter Bodenbelägen und hinter Fußleisten
Schimmel in der Luft: innen versus außen
Draußen stammen Schimmelsporen vor allem von Pflanzen. Drinnen haben andere Arten die Oberhand, vor allem Arten, die gut mit Trockenheit zurechtkommen, wie Aspergillus versicolor und Penicillium chrysogenum. Diese finden sich zum Beispiel in Matratzen und Hausstaub.
Innen- und Außenluft zu vergleichen bringt wenig. Die Quellen im Innenraum bestimmen die Konzentration, und in einer verschimmelten Wohnung liegt diese deutlich höher.
Holzfäulepilze: Echter Hausschwamm und Brauner Kellerschwamm
Zwei Arten sind in Wohnungen berüchtigt: der Echte Hausschwamm und der Braune Kellerschwamm. Beide sind Braunfäulepilze, die Holz ernsthaft schädigen.
| Echter Hausschwamm | Brauner Kellerschwamm | |
|---|---|---|
| Lateinischer Name | Serpula lacrymans | Coniophora puteana |
| Feuchtigkeit im Holz | Wächst schon bei 20–30 % Holzfeuchte | Braucht mehr Feuchtigkeit, rund 50–60 % |
| Risiko | Am gefährlichsten, breitet sich quer durch Mauern aus | Weniger aggressiv, bleibt eher lokal |
| Sporen | Bis zu 50 Millionen pro Minute und m² | Deutlich weniger |
| Kommt vor in | In der gesamten Wohnung | Vor allem Küchen und Keller |
Achten Sie auf Ihre Gesundheit
Schwarzer Schimmel kann Atemwegsbeschwerden und Asthma verschlimmern. Kommt Schimmel trotz Lüften immer wieder? Dann suchen Sie die Quelle, etwa ein Leck oder aufsteigende Feuchtigkeit. Halten Ihre Beschwerden an, sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt. Lesen Sie auch Gesundheit und Luftqualität.
Was macht Schimmel schädlich?
Schimmel kann auf verschiedene Weisen Beschwerden verursachen:
- Sporen, die Sie einatmen
- Sehr kleine Myzelpartikel, die tief in die Lunge gelangen
- Zellwandstoffe wie β-Glucane
- Flüchtige organische Verbindungen (VOC), die für den muffigen Geruch sorgen
- Mykotoxine, giftige Stoffe, die Schimmel bei Stress bildet
Manche Menschen reagieren heftig darauf, mit Atemnot oder allergischen Beschwerden. Ob Mykotoxine in Wohnungen wirklich schädlich sind, ist noch nicht eindeutig belegt. Vorsicht bleibt sinnvoll.
Sollten Sie Schimmel testen lassen?
Laut RIVM meist nicht. Welche Art es ist oder wie viel vorhanden ist, ändert nichts am Vorgehen: Feuchtigkeit beseitigen und den Schimmel physisch entfernen. Erst bei bautechnischen Problemen mit Echtem Hausschwamm oder Braunem Kellerschwamm ist ein Fachmann sinnvoll. Dieser beurteilt, ob geschädigtes Holz behandelt oder ersetzt werden muss.
Bei Schimmel suchen Menschen oft nach dem besten Reinigungsmittel. Aber solange die Feuchtigkeitsquelle bleibt, kommt der Schimmel einfach zurück. Beseitigen Sie zuerst die Feuchtigkeit, dann den Fleck.
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Schimmel vorbeugen: Bekämpfen Sie die Feuchtigkeit
Schimmel ist ein zäher Überlebenskünstler, der in einer feuchten Wohnung schnell die Oberhand gewinnt. Der Schlüssel ist einfach: Halten Sie die Luftfeuchtigkeit unter Kontrolle. Lüften Sie gut, spüren Sie Lecks rechtzeitig auf und halten Sie Oberflächen trocken und sauber. Gelingt es nicht, die relative Luftfeuchtigkeit unter 60 % zu bringen, hilft Ihnen ein Luftentfeuchter weiter. Möchten Sie tiefer einsteigen, lesen Sie den vollständigen RIVM-Bericht.
Häufig gestellte Fragen
Bei welcher Luftfeuchtigkeit entsteht Schimmel?
Schimmel wächst erst richtig durch bei einer relativen Luftfeuchtigkeit über 80 %. Halten Sie sie drinnen zwischen 40 und 60 %, geben Sie Schimmel wenig Chancen.
Ist schwarzer Schimmel im Haus gefährlich?
Schwarzer Schimmel kann Atemwegsbeschwerden und Asthma verschlimmern. Entfernen Sie den Schimmel und beseitigen Sie die Feuchtigkeitsquelle. Halten die Beschwerden an, sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt.
Wie entfernen Sie Schimmel dauerhaft?
Entfernen Sie den Schimmel physisch und beseitigen Sie zugleich die Ursache: Feuchtigkeit. Ohne dass die Luftfeuchtigkeit sinkt oder das Leck gestoppt wird, kommt Schimmel zurück.
Hilft ein Luftentfeuchter gegen Schimmel?
Ja, indirekt. Ein Luftentfeuchter hält die relative Luftfeuchtigkeit unter 60 %, wodurch Schimmel deutlich weniger Chancen bekommt. In kalten Räumen funktioniert ein Adsorptions-Luftentfeuchter am besten.
Muss ich testen lassen, welchen Schimmel ich habe?
Laut RIVM meist nicht. Das Vorgehen ist immer gleich. Nur bei Holzfäule durch Echten Hausschwamm oder Braunen Kellerschwamm ist ein Fachmann ratsam.