Die Temperaturen sinken, die Heizung läuft wieder, und Fenster und Lüftungsöffnungen bleiben öfter geschlossen. Gleichzeitig entsteht im Haus ständig Feuchtigkeit. Gerade in gut gedämmten, luftdichten Wohnungen ist Lüften besonders wichtig, um Feuchteprobleme oder sogar Schimmel zu vermeiden. Wie entsteht diese Feuchtigkeit, wo bleibt sie, und wann ist Kondenswasser ein Warnzeichen?
Kurz gesagt
- Ein Vier-Personen-Haushalt gibt täglich rund 10 bis 15 Liter Wasser an die Raumluft ab: durch Atmen, Duschen, Kochen und Wäschetrocknen.
- In einem energetisch sanierten oder luftdichten Haus entweicht kaum noch Luft unbemerkt durch Fugen und Ritzen. Für frische Luft müssen Sie dann selbst sorgen.
- Beschlagene Scheiben nach dem Duschen sind normal. Passiert das oft oder bleibt das Wasser lange stehen, ist die Luft vermutlich zu feucht.
- Beschlägt eine Wärmeschutz- oder Dreifachverglasung, sagt das mehr aus als bei Einfachglas.
- Stoßlüften ist wirksamer und kostet weniger Heizwärme als ein stundenlang gekipptes Fenster.
Täglich entsteht unbemerkt viel Feuchtigkeit
Ein Haushalt erzeugt jeden Tag eine Menge Feuchtigkeit. Laut Jay Buis von Luftentfeuchtershop.de sind es bei einer vierköpfigen Familie etwa 10 bis 15 Liter Wasser pro Tag. Ein Teil davon entsteht durch Atmen und Schwitzen, aber auch Duschen, Kochen und das Wäschetrocknen in der Wohnung tragen dazu bei. Solange die Luft ausreichend ausgetauscht wird, kann diese Feuchtigkeit nach draußen abziehen. Wird weniger gelüftet, bleibt sie länger im Raum, und die Luftfeuchtigkeit kann steigen.
Im Winter steigt sie schneller. Fenster und Lüftungsöffnungen bleiben öfter zu, damit die Wärme nicht entweicht, und wir verbringen mehr Zeit drinnen. Bei laufender Heizung ein Fenster zu öffnen, mag widersinnig erscheinen. Gerade dann ist Lüften aber wichtig: Ohne ausreichenden Luftaustausch staut sich die Feuchtigkeit, und die Luftfeuchtigkeit im Haus steigt weiter.
Mehr Dämmung verlangt bewussteres Lüften
Auch die Bauweise spielt eine Rolle. In älteren Häusern fand ein Teil des Luftaustauschs unbemerkt über Fugen und Ritzen statt. In Neubauten und energetisch sanierten Häusern geschieht das deutlich seltener. Das hält die Wärme im Haus, bedeutet aber auch, dass die Bewohner stärker auf die vorhandene Lüftung angewiesen sind.
Wird ein Haus nachträglich gedämmt, fehlt der ungewollte Luftaustausch über Fugen, der früher einen Teil der Lüftung übernommen hat. Passt man das Lüften nicht daran an, kann sich Feuchtigkeit leichter stauen.
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Eine gute Dämmung verursacht also nicht automatisch Feuchteprobleme. Entscheidend ist die Kombination aus einem gut gedämmten, luftdichten Haus und zu wenig Lüftung.
Häufig beschlagene Fenster können auf zu hohe Luftfeuchtigkeit hinweisen
Zu viel Feuchtigkeit zeigt sich oft zuerst am Fenster. Trifft warme, feuchte Raumluft auf eine kalte Oberfläche, kann der Wasserdampf kondensieren. Im Herbst und Winter sind Fensterscheiben und andere Flächen kälter, deshalb passiert das häufiger.
Kondenswasser an sich ist kein Grund zur Sorge, sagt Simon Schmidt, Leiter der Abteilung Hygrothermik am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP: „Gelegentliches Kondenswasser am Fenster, etwa morgens im Schlafzimmer oder direkt nach dem Duschen, ist in der Regel unbedenklich.“ Häufiges oder lange anhaltendes Kondenswasser kann dagegen auf eine dauerhaft zu hohe Luftfeuchtigkeit hindeuten. Warnzeichen können außerdem Wasser auf Fensterrahmen und Fensterbänken oder Feuchtigkeit an Wänden und in Ecken sein.
Auch die Art der Verglasung gibt laut Buis Hinweise auf ein Feuchteproblem. Die Innenseite von Einfachglas ist im Winter deutlich kälter als die einer Wärmeschutz- oder Dreifachverglasung. Einfachglas kann deshalb schon bei einer ganz „normalen“ Luftfeuchtigkeit beschlagen. Bei Wärmeschutz- und Dreifachverglasung deutet Kondenswasser am Fenster eher auf eine zu hohe Luftfeuchtigkeit im Haus hin.
Wann ist Kondenswasser ein Warnzeichen?
- Gelegentlich, morgens oder direkt nach dem Duschen: kein Grund zur Sorge.
- Häufig oder lange anhaltend: deutet auf eine dauerhaft zu hohe Luftfeuchtigkeit hin.
- Wasser auf Rahmen und Fensterbänken, Feuchtigkeit an Wänden oder in Ecken: ernst nehmen.
- Beschlagene Wärmeschutz- oder Dreifachverglasung: eher ein Zeichen für zu feuchte Luft als beschlagenes Einfachglas.
Mehr zu den Ursachen lesen Sie in unserem Ratgeber zu Kondenswasser an Fenstern und Rahmen.
Feuchte Stellen sind nicht immer gut zu sehen
Ist gut dämmendes Glas nicht mehr die kälteste Fläche im Raum, werden andere kalte Stellen anfälliger für Kondenswasser. Dazu gehören Außenecken, Fensteranschlüsse und Stellen hinter großen Möbeln an einer Außenwand. Dort kann sich Feuchtigkeit sammeln, ohne dass die Bewohner es gleich bemerken.
Bei Feuchteproblemen lohnt sich deshalb der Blick über beschlagene Fenster hinaus. Anhaltende Feuchtigkeit auf kalten Flächen kann auf Dauer Schimmel begünstigen. Ernst nehmen sollte man vor allem Kondenswasser, das lange stehen bleibt, und Feuchtigkeit an Stellen, an denen weder gekocht noch geduscht wird, so Schmidt.
Lüften, ohne unnötig Wärme zu verlieren
Ausreichend lüften heißt nicht, dass die Fenster den ganzen Tag offen stehen müssen. Kurzes, kräftiges Stoßlüften ist laut Schmidt in der Regel wirksamer und energiesparender, als Fenster lange gekippt zu lassen. Auch Lüftungsöffnungen und eine Lüftungsanlage bleiben wichtig, damit die Luft ständig erneuert wird. Beim Duschen und Kochen, wenn viel Feuchtigkeit frei wird, sollte zusätzlich abgesaugt werden.
Kalte Außenluft fühlt sich zwar oft feucht an, enthält aber wenig Wasser. Kalte Luft kann weniger Feuchtigkeit aufnehmen als warme. Kommt sie ins Haus und erwärmt sich, ist sie deshalb relativ trocken. Lüften führt also nicht nur feuchte Luft ab, sondern bringt auch trockenere Luft herein.
Die Lösung für eine feuchte Wohnung ist nach Ansicht beider Experten deshalb nicht weniger Lüften, sondern gezieltes und effizientes Lüften. Bleibt die Luftfeuchtigkeit trotzdem zu hoch oder lässt sie sich schwer regulieren, kann ein Luftentfeuchter in feuchten Räumen Abhilfe schaffen.
Häufige Fragen
Warum ist es nach der Dämmung feuchter im Haus?
Nach der Dämmung fällt der Luftaustausch weg, der früher unbemerkt über Fugen und Ritzen lief. Die Feuchtigkeit, die im Alltag entsteht, bleibt dadurch länger in der Wohnung. Die Dämmung selbst ist nicht das Problem. Schwierig wird es, wenn das Lüften nicht angepasst wird.
Ist Kondenswasser am Fenster schlimm?
Gelegentlich nicht, etwa morgens im Schlafzimmer oder direkt nach dem Duschen. Tritt es häufig auf, bleibt es lange stehen oder sammelt sich Wasser auf Rahmen und Fensterbänken, ist die Luftfeuchtigkeit wahrscheinlich zu hoch.
Ist Stoßlüften besser als ein gekipptes Fenster?
Ja. Laut Simon Schmidt vom Fraunhofer IBP ist kurzes, kräftiges Lüften wirksamer und sparsamer als ein lange gekipptes Fenster. Lassen Sie die Lüftungsöffnungen offen und die Lüftungsanlage an, und schalten Sie beim Kochen die Dunstabzugshaube und beim Duschen den Badlüfter ein.
Bringt Lüften etwas, wenn es draußen kalt und feucht ist?
Ja. Kalte Luft kann weniger Feuchtigkeit aufnehmen als warme. Erwärmt sie sich drinnen, ist sie relativ trocken. Sie führen also feuchte Luft ab und holen trockenere Luft herein.
Wann brauche ich einen Luftentfeuchter?
Wenn die Luftfeuchtigkeit trotz richtigen Lüftens zu hoch bleibt oder sich schwer regulieren lässt. In einem feuchten Raum kann ein Luftentfeuchter dann Abhilfe schaffen.
Bleibt die Luftfeuchtigkeit zu hoch?
Beantworten Sie ein paar Fragen zum Raum und zum Feuchteproblem und sehen Sie sofort, welcher Luftentfeuchter passt.
- Nach Fläche, Temperatur und Feuchtequelle
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